Vielen Menschen, denen wir vom Akademischen Fechten erzählen, steht die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Jedoch weniger, weil sie noch nie etwas von fechtenden Studenten gehört haben, sondern vielmehr, weil es diese Tradition noch gibt. Häufig ist bekannt, dass das akademische Fechten in früheren Zeiten zum Studentenleben dazugehörte, quasi normal war.

Das Fechten allgemein gibt es in Europa seit der Antike. Seine heutige Form entstand mit der Erfindung der Feuerwaffen und dem daraus resultierenden Umbruch in den Kampftechniken. Neben Adligen waren früher auch bürgerliche Körperschaften, so zum Beispiel Handwerksinnungen und Fechtergesellschaften wehrhaft, die sich zur Ausbildung ihrer Mitglieder auch Fechtmeister anstellten und Schaufechtereien veranstalteten.

So lag es auf der Hand, dass sich auch bürgerliche Studenten das Waffenprivileg erstritten. Im Jahre 1514 gestattet Kaiser Maximilian I. das studentische Waffentragen und weitete somit das ursprünglich adlige Recht auch auf bürgerliche Studenten aus. Damit verfolgte er weniger das Ziel, studentische Duelle zu fördern, sondern vielmehr die Reise von einer Uni zur anderen für die Studenten sicherer zu machen. Dennoch war es von der Genehmigung, Waffen führen zu dürfen, nur noch ein kleiner Schritt zur Ausbildung eines eigenen Standesbewusstseins der Studenten.

Während unter Studenten ursprünglich noch das alte Hiebfechten praktiziert wurde, ging im Verlauf des 16. Jahrhunderts die Aristokratie schon zum aus dem romanischen Raum kommenden Stoßfechten – wie man es heute noch vom Sport kennt – über. Dazu war kein schweres Schwert, sondern ein leichterer Degen nötig. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts nahmen auch die Studenten den spanischen Korbdegen als Waffe an, der sowohl zum ‚Hieber’ als auch zum Stoßfechten taugte. Um die Jahrhundertwende des 16. & 17. Jahrhunderts wurde dann das Stoßfechten unter den Studenten usus, konnten die Partien doch so auch in Studentenbuden unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Die Landesherren versuchten stets das Duellieren der Studenten zu unterbinden, hatten sie doch kein Interesse daran, dass sich die ohnehin personell dünne intellektuelle Elite ihres Landes gegenseitig dezimierte.

Da das Stoßfechten wesentlich mehr Übung erforderte als das alte Hiebfechten, wurden mehr und mehr akademische Fechtmeister eingestellt (erstmals in 1558 in Jena), was natürlich nicht nur das Waffentalent der Herren Studiosi, sondern auch die Duellhäufigkeit derselben drastisch erhöhte. Aus diesem Grunde sahen sich die Obrigkeiten von Uni und Land immer wieder bemüßigt, durch Edikte der Duellwut der angehenden Akademiker Einhalt zu gebieten.

Mit der Einführung der Satisfaktionen im 19. Jahrhundert  begannen die Studenten mit dem aufkommenden Korporationenswesen Mensuren zu fechten und entwickelten das Akademische Fechten immer weiter. Heutzutage hat nunmehr fast jede Hochschulstadt ihren eigenen Comment, also ein Regelwerk, nach welchem die Studenten der jeweiligen unterschiedlichen Verbindungen ihre Partien miteinander fechten.